Im Juni 2026 wird Bruneck in Sßdtirol zum Zentrum der analogen Fotografie: Mit dem ANALOGUE Photo.Festival entsteht anlässlich des 200. Jubiläums der Fotografie eine Biennale, die sich konsequent Chemie, Papier und dem fotografischen Prozess widmet. Vom 3. bis 14. Juni 2026 versammelt das zweiwÜchige Festival erstmals 15 lokale und internationale Kßnstlerinnen und Kßnstler.
Das Festival steht unter dem Motto "Beyond the Instant" und begreift ein Bild nicht als eingefrorenen Moment, sondern als bewussten Prozess. Anders als digitale Fotografie benĂśtigt ein analoges Foto Zeit zur Entstehung und hat ein Vorher und ein Nachher. Das Bild zeigt sich erst später â entwickelt, sichtbar gemacht, durchlaufen von einem Entwicklungsverfahren, das Teil seiner Bedeutung wird.
In einer Zeit, in der Bilder jederzeit und ohne HĂźrden digital produziert, verfälscht, geteilt und vergessen werden, setzt das Festival damit bewusst eine Gegenbewegung. Im Mittelpunkt stehen Entschleunigung, Materialität und die physische Erfahrung fotografischer Arbeit â von der Aufnahme bis zur Entwicklung im Labor. Es lädt dazu ein, innezuhalten und genau hinzusehen.
Das Festival verfolgt einen dezentralen Ansatz und verteilt sich auf verschiedene Orte zwischen Vinschgau, Bozen, Franzensfeste und Gadertal. Unter dem Titel "Chambres #1â7" â ein Verweis auf die fotografische Dunkelkammer (chambre noire) â erstrecken sich Ausstellungen und Veranstaltungen Ăźber mehrere Schauplätze.
Durch die vielen Schauplätze soll das Publikum mit unterschiedlichen EinstiegsmĂśglichkeiten mit der analogen Fotografie in BerĂźhrung kommen â Ăźber Galerien, Off-Spaces und auch Ăźber den Ăśffentlichen Raum. Damit positioniert sich Bruneck gemeinsam mit neun weiteren Orten in SĂźdtirol als Treffpunkt fĂźr KĂźnstler, Fotografen und Fotointeressierte.
Das Festivalprogramm umfasst Ausstellungen, Workshops, KĂźnstlergespräche, Photowalks und sogenannte Site-Events. Die Firma JOBO ist beispielsweise mit einem GroĂformatworkshop dabei sowie einem Workshop mit selbstgebauter Lochkamera in Kooperation mit Silbersalz.
Die Workshops und KĂźnstlergespräche Ăśffnen experimentelle und praktische Zugänge zur analogen Fotografie â vom ersten bewussten Klick bis zur Bildentwicklung im Labor. Das Programm bewegt sich zwischen kĂźnstlerischer analoger Praxis, Reflexion und Austausch.
Dass die erste Ausgabe in Bruneck stattfindet, ist kein Zufall. Caroline Renzler und Fabian Haspinger vom Fotoatelier Silbersalz in Welsberg sind bereits seit Jahren in der Region aktiv und initiierten auch das Festival. Gemeinsam mit Lisa Leoni vom Eck Museum in Bruneck sowie Thina Adams vom LUMEN â Museum fĂźr Bergfotografie bĂźndeln sie ihre Expertise und Netzwerke zu einem starken Bekenntnis fĂźr die analoge Fotografie.
Das Festival versteht sich als Impulsgeber fßr das Pustertal und darßber hinaus. Es will lokale Kunstproduktion stärken, Akteure vernetzen und ihren Werken Sichtbarkeit verschaffen. In einer Landschaft, die von Bildern geprägt und selbst zum Abbild geworden ist, setzt dieses Festival einen kulturellen Meilenstein in der norditalienischen Region.
Das Festival versteht sich ausdrĂźcklich nicht als nostalgische RĂźckschau. Vielmehr soll untersucht werden, welche Relevanz analoge Verfahren heute noch besitzen â sowohl ästhetisch als auch gesellschaftlich. Damit greift die Veranstaltung eine Entwicklung auf, die seit einigen Jahren innerhalb der Fotoszene deutlich sichtbar wird: das wachsende Interesse an analogen Verfahren als Gegenentwurf zur permanenten Bilderflut sozialer Medien und KI-generierter Inhalte.
Zum Abschluss des Festivals werden am 14. Juli mit "Lumen by Night" und einem Closing Clubbing die 200 Jahre Fotografie und die erste Ausgabe der Biennale gefeiert.