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Tiefenbasierte Masken in Camera Raw jetzt auch fĂźr JPEGs und Raws ohne Tiefeninformation
Bildbearbeitung & Fotografie 27.05.2026

Tiefenbasierte Masken in Camera Raw jetzt auch fĂźr JPEGs und Raws ohne Tiefeninformation

Adobe hat im April 2026 mit Camera Raw 18.3 eine bahnbrechende Erweiterung der Tiefenbereichsmasken eingeführt: Die Funktion generiert jetzt automatisch KI-basierte Tiefenkarten für jedes Bild – egal ob JPEG, TIFF oder RAW-Dateien ohne eingebettete Tiefeninformationen. Was bisher nur für iPhone-Portraitfotos mit eingebetteten Depth Maps funktionierte, steht jetzt allen Fotografen zur Verfügung.

Von Hardware-Limitierung zur KI-Revolution

Frühere Einschränkung: Bis März 2026 war die Tiefenbereichsmaskierung nur für Bilder mit eingebetteten Depth Maps verfügbar – hauptsächlich HEIC-Dateien vom iPhone im Portrait-Modus. Für alle anderen Kameras (Canon, Nikon, Sony, Fuji) blieb die Funktion deaktiviert und grau ausgegraut.

Die neue Realität (ab April 2026): Camera Raw 18.3 generiert Tiefenkarten on-the-fly per KI – für RAW-Dateien aller Kameras, JPEGs, TIFFs und PSDs. Die Depth Map wird in Echtzeit aus der Bildanalyse erstellt, ohne dass die Kamera diese Daten jemals aufgezeichnet haben muss.

Was sind Tiefenbereichsmasken?

Konzept: Statt nach Farbe, Helligkeit oder Bildinhalt (Himmel, Person, Objekt) auszuwählen, maskierst du nach räumlicher Tiefe – also der Entfernung zwischen Kamera und Motivebene.

Praktische Anwendung:

  • Vordergrund isolieren: Nur die ersten 2 Meter vom Objektiv bearbeiten
  • Hintergrund abdunkeln: Alles ab 10 Meter Entfernung in der Helligkeit reduzieren
  • Mittelgrund schärfen: Nur den Bereich zwischen 3-7 Metern nachschärfen
  • Atmosphärische Tiefe: Weiter entfernte Bereiche kĂźhler/blauer färben (atmosphärische Perspektive simulieren)

So funktioniert's in Camera Raw 18.3

Zugriff auf Tiefenmasken:

  1. Bild in Camera Raw öffnen (RAW, JPEG, TIFF – egal)
  2. Maskierungswerkzeug Ăśffnen (Taste: Shift + W)
  3. "Tiefenbereich" wählen (Taste: Shift + D)
  4. Range-Slider anpassen: Definiere, welcher Tiefenbereich maskiert werden soll

Neue Option: "Use Device Depth" Falls dein Bild tatsächlich eingebettete Depth Map-Daten enthält (iPhone Portrait, Dual-Kamera-Smartphones), kannst du wählen:

  • AI-generierte Depth Map (Standard, funktioniert immer)
  • Device Depth (nutzt eingebettete Kamera-Daten, falls vorhanden)

Visuelle Kontrolle: Camera Raw zeigt eine heatmap-artige Visualisierung, die rot-gelb-grĂźn kodiert, welche Bereiche nah/fern sind. So siehst du sofort, ob die KI die Tiefe korrekt interpretiert hat.

Technische Umsetzung: Wie genau ist die KI?

Adobe nutzt vermutlich Monocular Depth Estimation: Die KI analysiert Hinweise wie:

  • Objektgröße (größer = näher)
  • Texturdetails (schärfer = näher)
  • Atmosphärische Unschärfe (Dunst = weiter weg)
  • Perspektive und Fluchtpunkte
  • Okklusion (was verdeckt was?)

Genauigkeit: Erste Tests zeigen, dass die KI-Depth Maps erstaunlich präzise arbeiten – oft besser als manuelle Luminanz- oder Farbbereichsmasken. Bei komplexen Szenen mit vielen Ebenen (z.B. dichter Wald) kann es zu Ungenauigkeiten kommen, aber für typische Landschaften, Architektur und Portraits funktioniert es hervorragend.

VerfĂźgbarkeit: Wo funktioniert die neue Funktion?

Adobe Camera Raw 18.3 (April 2026):

  • Photoshop Camera Raw Filter
  • Standalone Camera Raw (beim Öffnen von RAW-Dateien)
  • Bridge-Integration (via Camera Raw Ăśffnen)

Lightroom Classic / Lightroom (Cloud): Die Funktion ist noch nicht in Lightroom verfĂźgbar (Stand Mai 2026), wird aber erwartet. Adobe rollt neue Maskierungsfunktionen traditionell zuerst in Camera Raw aus, bevor sie in Lightroom integriert werden.

Systemanforderungen:

  • Photoshop CC 2026 (Version 25.x oder neuer)
  • Camera Raw 18.3 oder neuer (verfĂźgbar seit 15. April 2026)
  • GPU-Beschleunigung empfohlen (funktioniert auch auf CPU, aber langsamer)

Integration mit anderen Maskierungsfunktionen

Kombinierbarkeit: Tiefenmasken lassen sich mit allen anderen Maskierungstypen kombinieren:

  • Objektauswahl (Person, Himmel, Gebäude, etc.)
  • Luminanzbereich (nur helle/dunkle Bereiche)
  • Farbbereich (nur bestimmte FarbtĂśne)
  • Pinsel/Verlauf (manuelle Feinabstimmung)

Beispiel-Workflow:

  1. Wähle "Himmel" per Objektauswahl
  2. Subtrahiere "Tiefenbereich 0-5 Meter" (um nahe Äste/Gebäude vom Himmel auszuschließen)
  3. Verfeinere mit Pinsel fĂźr perfekte Kanten

Praxisbeispiele fĂźr Fotografen

Landschaftsfotografie:

  • Vordergrund aufhellen: Felsen/Blumen im Vordergrund heller, ohne Himmel zu beeinflussen
  • Atmosphärische Tiefe: Berge im Hintergrund kĂźhler/blauer färben
  • Selektive Schärfung: Nur Mitteldistanz schärfen, Vorder-/Hintergrund soft lassen

Architekturfotografie:

  • Gebäude isolieren: Nur das Hauptgebäude bearbeiten, Hintergrund separat
  • Tiefenstaffelung: Verschiedene Gebäudeebenen unterschiedlich belichten
  • Perspektivkorrektur: Nur nahe Elemente korrigieren

Portraitfotografie:

  • Hintergrund abdunkeln/entsättigen: Ohne Person zu beeinflussen
  • Bokeh-Simulation: Weiter entfernte Bereiche kĂźnstlich unscharf rechnen
  • Hautton-Schutz: Nur Hintergrund bearbeiten, Hautfarben unberĂźhrt lassen

Street Photography:

  • Vordergrund-Chaos reduzieren: Menschen/Objekte nah an der Kamera abdunkeln
  • Hauptmotiv isolieren: Mittlere Distanz betonen
  • Tiefenschärfe nachträglich: Selektive Unschärfe per Tiefenmaske + Weichzeichnung

Vergleich zu anderen Depth-Technologien

iPhone Portrait Mode (Hardware Depth):

  • Nutzt Dual-Kamera oder LiDAR fĂźr echte Tiefenmessung
  • Sehr präzise, aber limitiert auf iPhone/iPad

Adobe Lens Blur (KI-Depth fĂźr Bokeh):

  • Generiert Depth Maps speziell fĂźr Unschärfe-Effekte
  • Feature Request: Diese Depth Maps auch fĂźr Masken nutzen

Camera Raw Tiefenmasken (neu):

  • Funktioniert fĂźr alle Bilder (RAW, JPEG, TIFF)
  • KI-generiert, keine Hardware nĂśtig
  • Optimiert fĂźr Maskierung, nicht nur Bokeh

Einschränkungen und Grenzen

Wann die KI-Depth Map versagt:

  • Sehr flache Szenen: Wenn alles in ähnlicher Entfernung ist (z.B. Frontalaufnahme einer Wand)
  • Extreme Unschärfe: Wenn wichtige Tiefenhinweise verloren gehen
  • Spiegelungen und Glas: KI kann verwirrt werden, was vorne/hinten ist
  • Komplexe Überlappungen: Dichter Wald, Gitter, Zäune

Abhilfe: Kombiniere Tiefenmasken mit anderen Maskierungstypen oder verfeinere manuell mit Pinsel.

Der stille Launch: Kaum AnkĂźndigung

Interessanterweise hat Adobe diese Revolution ohne große Fanfare ausgerollt. Während andere Features in Release Notes prominent präsentiert werden, wurde die erweiterte Tiefenmaske nur beiläufig in den Camera Raw 18.3 Release Notes erwähnt.

Warum? MÜglicherweise testet Adobe die Zuverlässigkeit der KI-Depth Maps im Stillen, bevor ein Marketing-Push folgt. Oder die Funktion wird als selbstverständliche Evolution bestehender Features betrachtet.

Ausblick: Was kommt als Nächstes?

Feature Request erfüllt: Die Community hatte seit 2024 gefordert, dass Adobe die Lens-Blur-Depth-Maps auch für Maskierung verfügbar macht. Adobe hat geliefert – und geht noch weiter, indem Depth Maps universell für alle Bilder generiert werden.

MÜgliche nächste Schritte:

  • Integration in Lightroom Classic und Lightroom (Cloud)
  • 3D-Depth-Visualisierung (Depth Map als 3D-Modell anzeigen)
  • Depth-aware Retusche (Photoshop Remove Tool nutzt Tiefeninfo)
  • Tiefenbasierte Farbkorrektur (automatische atmosphärische Perspektive)

Fazit: Game-Changer fĂźr die Bildbearbeitung

Die erweiterte Tiefenbereichsmaskierung ist einer der wichtigsten Updates für Fotografen seit der Einführung der KI-Objektauswahl. Was früher nur mit aufwendigen Luminanz- und Farbmasken möglich war, geht jetzt mit einem Klick – und funktioniert für jede Kamera, jedes Format.


Hier findest du weiterfĂźhrende Informationen: DOCMA


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