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Jelena Bulajic geht dem Medium "Fotografie" auf den Grund
Bildbearbeitung & Fotografie 16.12.2025

Jelena Bulajic geht dem Medium "Fotografie" auf den Grund

Jelena Bulajic nutzt Malerei, um die Funktionsweise von Fotografie radikal zu hinterfragen: Sie interessiert sich weniger für „schöne Fotos“ als für die Bedingungen, unter denen Bilder Wirklichkeit behaupten – und diese Behauptung bricht sie gezielt auf.

Ausgangspunkt Fotografie

In der Ausstellung „Untitled (after)“ in der Kunsthalle Münster arbeitet Bulajic nicht mit eigenen Aufnahmen, sondern mit bereits existierenden Bildern etwa von Hiroshi Sugimoto, Wolfgang Tillmans oder auch Bernini‑Fotografien als Ausgangsmaterial. Sie nimmt diese fotografischen Vorlagen als „Zwischenstufe“ zwischen Welt und Malerei und fragt, wie sehr unsere Wahrnehmung von Realität bereits von solchen Bildern geprägt ist.

Dabei interessiert sie die Täuschung der Fotografie: das Versprechen, Realität einzufrieren, obwohl es sich immer nur um eine Ausschnitts‑ und Oberflächenkonstruktion handelt. Ihre Arbeiten positionieren sich damit explizit als Kommentar zur allgegenwärtigen, digital und zunehmend KI‑vermittelten Bilderflut.

Material als Gegenentwurf zum Bildschirmbild

Bulajic überträgt die fotografischen Motive in großformatige Malerei mit stark körperlicher Oberfläche – Risse, Blasen, Löcher, Schichtungen machen die „Haut“ des Bildes sichtbar. Sie setzt die Farbe extremen Bedingungen wie Hitze, Kälte oder Licht aus, sodass die physische Materialität das glatte, scheinbar neutrale Foto buchstäblich aufbricht.

Dadurch kippt der Fokus von der abgebildeten Szene auf das Gemachtsein des Bildes: Die Bilder legen ihre Konstruktion offen, statt Illusion perfekt zu kaschieren. Das steht im scharfen Kontrast zu digitalen und KI‑generierten Bildern, die ihre Künstlichkeit eher verbergen und reibungslose „Evidenz“ simulieren.

„Schulung der Sinne“ statt schneller Bildkonsum

Die Kunsthalle Münster beschreibt die Arbeiten als Werkzeuge zur „Schulung der Sinne“: Bulajic verlangt vom Publikum langsames, genaues Hinsehen und ein aktives Befragen dessen, was auf der Bildoberfläche geschieht. Ihre Bilder funktionieren damit fast wie Forschungsinstrumente zur Wahrnehmung – weniger Statement, mehr Einladung, die eigene Bildgläubigkeit zu prüfen.

In der Praxis bedeutet das: Wer die Arbeiten betrachtet, wird mit der Diskrepanz zwischen fotografischer Illusion (z.B. Tillmans’ Atlantik‑Brandung) und der weichen, verletzlichen Maloberfläche konfrontiert, die diese Illusion absorbiert und gleichzeitig relativiert. Fotografie dient Bulajic also als Ausgangsmedium, um die Grenzen von Realität, Reproduktion und Materialität nach der Fotografie auszuloten – nicht als Endpunkt, sondern als Problem, an dem Malerei weiterarbeitet.


Hier findest du weiterfĂźhrende Informationen: Kunsthalle MĂźnster


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