Der Camera Clara Prize ist ein renommierter internationaler Fotowettbewerb, der seit 2012 die Kunst der GroĂformatfotografie wĂźrdigt â eine bewusste Gegenbewegung zur schnelllebigen digitalen Bilderwelt. Der Preis richtet sich ausschlieĂlich an Fotografen, die mit Fachkameras (large format, ab 6Ă9 cm) arbeiten und zeichnet jährlich unverĂśffentlichte fotografische Arbeiten aus, die als Serie oder zusammenhängende Werkgruppe präsentiert werden. Die Bewerbungsfrist fĂźr 2026 läuft noch bis zum 31. Juli 2026, die Teilnahme ist kostenlos, und die Gewinner erhalten jeweils 8.000 Euro Preisgeld sowie internationale AusstellungsmĂśglichkeiten.
Was ist der Camera Clara Prize?
GrĂźndung:
2012 in Frankreich von JosĂŠphine de Bodinat-Moreno ins Leben gerufen
KĂźnstlerische Leitung:
- 2012â2022: Audrey Bazin
- Ab 2022: Aurelie Chauffert-Yvart
Die Mission:
In einer digitalen Welt, die von Bilderflut, Schnelllebigkeit und Smartphone-Fotografie geprägt ist, wĂźrdigt der Camera Clara Prize die entschleunigte, kontemplative Herangehensweise der GroĂformatfotografie. Die Jury ist Ăźberzeugt, dass diese spezifische kĂźnstlerische Ausdrucksform einen einzigartigen Weg fĂźr zeitgenĂśssische KĂźnstler bietet.
Die Philosophie:
GroĂformatfotografie zwingt Fotografen zur Konzentration auf das Wesentliche: den Standpunkt. Durch die Klarheit der Perspektive entsteht Zugang zu purer SchĂśnheit â zu jenem Moment der Anmut, in dem die Zeit sich zu erhellen, zu suspendieren und zu verschwinden scheint.
Was ist GroĂformatfotografie?
Definition:
Fotografie mit Fachkameras (view cameras, large format cameras), bei denen Film- oder SensorgrĂśĂe mindestens 6Ă9 cm beträgt.
Gängige Formate:
- 6Ă9 cm (kleinste zulässige GrĂśĂe fĂźr Camera Clara)
- 4Ă5 inch (~10Ă12,5 cm) â häufigstes GroĂformat
- 5Ă7 inch (~13Ă18 cm)
- 8Ă10 inch (~20Ă25 cm) â klassisches GroĂformat
- 11Ă14 inch, 20Ă24 inch â extreme GroĂformate
Technische Merkmale:
- Balgen-System: Kamera besteht aus Frontstandarte (Objektiv) und RĂźckstandarte (Film/Sensor), verbunden durch Balgen
- Shift- und Tilt-Funktionen: Perspektivkorrektur und Schärfentiefe-Kontrolle
- Mattscheiben-Fokussierung: Scharfstellung direkt auf der Bildebene
- Einzelbildbelichtung: Jede Aufnahme wird separat belichtet (kein Serienbildmodus)
Der Unterschied zu 10Ă15 (Standard-Kleinbild):
- 10Ă15 cm ist die typische PrintgrĂśĂe von Kleinbildfilm (35mm, 24Ă36mm Negativ)
- GroĂformat beginnt bei 6Ă9 cm NegativgrĂśĂe â das ist 15-mal grĂśĂer als Kleinbild (24Ă36 mm)
- 8Ă10 inch ist 120-mal grĂśĂer als Kleinbild
Warum "Ăźber 10Ă15 hinausdenken"?
Der Titel spielt darauf an, dass Camera Clara nicht die Ăźblichen 10Ă15 cm Prints (StandardgrĂśĂe bei DrogeriefotoabzĂźgen) meint, sondern echte GroĂformatfotografie mit groĂen Negativen und maximaler Bildqualität.
Teilnahmebedingungen 2026
Bewerbungsfrist:
31. Juli 2026, Mitternacht (vermutlich franzĂśsische Zeit, CEST)
Zulässige Formate:
Nur Fachkameras ab 6Ă9 cm NegativgrĂśĂe â analoge oder digitale GroĂformatsysteme
Art der Arbeit:
- UnverĂśffentlichte Werke (keine vorherige kommerzielle VerĂśffentlichung)
- Serie oder kohärente Werkgruppe â keine Einzelbilder
- Die Arbeit wird auf Kohärenz in Form und Inhalt bewertet
Bewertungskriterien:
- Kßnstlerische Qualität
- Konzeptionelle Stärke
- Kohärenz der Serie (roter Faden, thematische Geschlossenheit)
- Technische Meisterschaft der GroĂformatfotografie
TeilnahmegebĂźhr:
Kostenlos â keine Entry Fee
Einreichung:
Ăber die Plattform auf en.prixcameraclara.com/apply
Sprache:
Die Ausschreibung erfolgt international auf Englisch
Preisgeld und Auszeichnungen
Hauptpreis:
8.000 Euro pro Gewinner
Anzahl der Gewinner:
Typischerweise ein Hauptgewinner pro Jahr (in manchen Jahren mehrere)
Zusätzliche Vorteile:
- Internationale Ausstellungen â die Gewinnerarbeiten werden in renommierten Galerien und Festivals gezeigt
- Publikationen in Fachmagazinen und Online-Plattformen
- Networking mit Kuratoren, Sammlern und Galeristen
- Karriere-Boost â der Preis ist in der Fine Art Photography-Szene hochgeschätzt
FrĂźhere Preissummen:
In älteren Ausgaben betrug das Preisgeld 6.000 Euro â ab 2026 wurde es auf 8.000 Euro erhĂśht.
Bisherige Gewinner (Auswahl)
2023: Laura Pannack (GroĂbritannien):
Britische Fotografin, bekannt fßr ihre einfßhlsamen Porträts und dokumentarischen Arbeiten
Weitere Gewinner (Jahre variieren):
- Yann Laubscher (Schweiz) â preisgekrĂśnt fĂźr seine GroĂformat-Landschaften
- Verschiedene internationale Kßnstler aus ßber 68% nicht-franzÜsischen Ländern
Internationale Ausrichtung:
68% der Bewerbungen kommen aus Ländern auĂerhalb Frankreichs â der Preis hat sich zu einem global renommierten Award entwickelt.
Die Jury
Zusammensetzung:
FĂźhrende Profis aus dem Bereich der Fine Art Photography:
- Kuratoren aus renommierten Museen und Galerien
- Fotografie-Kritiker und -Historiker
- Sammler und Kunstexperten
- Frßhere Preisträger (gelegentlich)
Bewertungsprozess:
Die Jury trifft sich jährlich zur Sichtung der Einreichungen und Auswahl des Gewinners.
Warum GroĂformatfotografie im digitalen Zeitalter?
1. Maximale Bildqualität:
- Riesige Negative/Sensoren erfassen extreme Details
- 4Ă5 inch hat etwa 15-mal mehr Fläche als Vollformat (24Ă36 mm)
- 8Ă10 inch hat 120-mal mehr Fläche
- ErmÜglicht gigantische Prints ohne Qualitätsverlust
2. Entschleunigung:
- Jede Aufnahme dauert Minuten â Aufbau, Komposition, Belichtungsmessung
- Bewusste Bildgestaltung statt Serienbildmodus
- Kein "Spray and Pray" â jede Aufnahme zählt
3. Technische Kontrolle:
- Shift & Tilt fĂźr Perspektivkorrektur (Architektur ohne stĂźrzende Linien)
- Schärfentiefe-Steuerung durch Tilt (Scheimpflug-Prinzip)
- Volle manuelle Kontrolle Ăźber alle Parameter
4. KĂźnstlerischer Ausdruck:
- Einzigartige Ăsthetik â GroĂformat hat einen unverwechselbaren Look
- Kontemplative Herangehensweise fĂśrdert tiefere kĂźnstlerische Reflexion
- Gegenbewegung zur Bilderflut der digitalen Welt
5. Haptische Dimension:
- Arbeiten mit Film (bei analog) â physisches Material statt Dateien
- GroĂe Negative kĂśnnen direkt betrachtet werden (beeindruckend)
- Handwerkliche Tradition wird fortgefĂźhrt
GroĂformatfotografie-Technik im Ăberblick
Klassische analoge Fachkameras:
- Linhof Technika (Klassiker, faltbar)
- Sinar P2/P3 (Studiokamera)
- Toyo View (flexibel)
- Intrepid Camera (modern, leicht, erschwinglich)
Digitale GroĂformat-Backs:
- Phase One IQ4 150MP (150 Megapixel, Mittelformat-Digital-Back)
- Hasselblad H6D-400c MS (400 MP Multi-Shot)
- Cambo Actus (Digitalkamera mit Shift/Tilt)
Hybride Ansätze:
- Scanning Backs (scannen das Bild zeilenweise â extrem hohe AuflĂśsung, nur fĂźr statische Motive)
Film vs. Digital:
Viele GroĂformatfotografen schwĂśren auf analoges Film-Material (Kodak Ektar, Ilford FP4, Fuji Velvia) â die Tonalität und der Workflow sind Teil der kĂźnstlerischen Aussage.
Themen und Genres in bisherigen Gewinnerarbeiten
Landschaftsfotografie:
- Klassisches Genre fĂźr GroĂformat (Ansel Adams-Tradition)
- Extreme Details, weite Schärfentiefe
Architektur:
- Shift-Funktionen ermĂśglichen perfekte Perspektivkontrolle
- Keine stĂźrzenden Linien
Porträts:
- GroĂformat-Porträts haben einzigartige Intimität
- Extreme Schärfe + selektive Unschärfe durch Tilt
Dokumentarfotografie:
- Entschleunigter, kontemplativer Zugang zu Themen
- WĂźrdigung der Subjekte durch aufwendige Technik
Konzeptkunst:
- GroĂformat als bewusste kĂźnstlerische Entscheidung
- Statement gegen Schnelllebigkeit
Vorbereitung einer erfolgreichen Bewerbung
1. Kohärente Serie entwickeln:
- Roter Faden: Alle Bilder sollten thematisch/visuell zusammenhängen
- Anzahl: Typischerweise 10â20 Bilder (nicht zu wenige, nicht zu viele)
2. KĂźnstlerisches Statement:
- Warum GroĂformat? Erkläre deine Entscheidung fĂźr diese Technik
- Konzept: Was willst du mit der Serie aussagen?
3. Technische Exzellenz:
- Perfekte Scans/Digitalisierung (bei analogem Film)
- Hochwertige Prints (falls physische Einreichung)
- Saubere Präsentation
4. UnverĂśffentlicht â ungesehen:
- "UnverĂśffentlicht" bedeutet keine kommerzielle VerĂśffentlichung
- Du darfst die Bilder auf deiner Website oder in sozialen Medien gezeigt haben
- Keine vorherigen BuchverÜffentlichungen oder Verkäufe
5. Format-Nachweis:
- Gib an, mit welcher Kamera und Filmformat du gearbeitet hast
- 6Ă9, 4Ă5, 8Ă10 etc.
Wo der Preis bekannt ist
Internationale Reichweite:
Der Camera Clara Prize wird auf fĂźhrenden Plattformen gelistet:
- All About Photo (internationale Wettbewerbs-Plattform)
- Photo Contests 2026 (Kalender fĂźr Fotowettbewerbe)
- L'Ĺil de la Photographie (franzĂśsisches Fotomagazin)
- Art Info Land (Kunstwettbewerbs-Aggregator)
Social Media:
- Instagram: @prixcameraclara (regelmäĂige Updates, GewinnerankĂźndigungen)
- Facebook: Prix Camera Clara (Community-Austausch)
Ăhnliche Wettbewerbe fĂźr Fine Art Photography
Hasselblad Foundation International Award in Photography:
- HĂśher dotiert (~1 Million SEK â âŹ90.000), aber Lifetime-Achievement-Preis
- Keine Einreichung, nur Nominierung
Taylor Wessing Photographic Portrait Prize:
- Fokus auf Porträts (nicht nur GroĂformat)
- ÂŁ15.000 Preisgeld
Sony World Photography Awards:
- Breiter gefächert (alle Genres, alle Techniken)
- Verschiedene Kategorien und Preisstufen
Camera Clara-Vorteil:
- Spezialisiert auf GroĂformat â einzigartiger Fokus
- Kostenlose Teilnahme (viele Wettbewerbe verlangen Entry Fees)
- 8.000 Euro Preisgeld â signifikant fĂźr einen spezialisierten Award
Fazit: Ein Preis fĂźr die entschleunigte Fotografie
Der Camera Clara Prize ist eine wichtige Plattform fĂźr Fotografen, die bewusst gegen die Schnelllebigkeit der digitalen Bilderwelt arbeiten. Mit seiner exklusiven Ausrichtung auf GroĂformatfotografie wĂźrdigt der Preis eine Technik, die Präzision, Kontemplation und kĂźnstlerische Tiefe erfordert â weit entfernt von den Ăźblichen 10Ă15 cm Prints. Die kostenlose Teilnahme, das hohe Preisgeld (8.000 Euro) und die internationale Reputation machen ihn zu einem der wichtigsten Awards fĂźr Fine Art Photography mit Fachkamera.